Olivier Latry, Titularorganist von Notre-Dame und Professor am Conservatoire National Supérieure de Musique, Paris:
“Ce systeme est émineemment novateur, et pourrait à court terme révolutionner l'utilisation des orgues pourvues de tractions électriques, et accroître énormément leurs possibilités.”
"Im Anschluss an mein Konzert in der Kirche St. Peter und Paul in Ratingen hatte ich die Gelegenheit einer Vorführung des Prototypes des Systems SINUA beizuwohnen. Dieses System ist eine außerordentliche Innovation und könnte kurzfristig das Spielen auf Orgeln revolutionieren, die mit elektrischer Traktur ausgestattet sind und so deren Möglichkeiten enorm ausweiten. Ich kann es kaum abwarten, bis das Produkt fertiggestellt ist und ich es an einem neuen Spieltisch der Orgel dieser Kirche, der im kommenden Jahr fertig werden soll, ausprobieren kann."
Seit dem Einbau eines Bus-Systems mit MIDI Schnittstelle 2006 haben Benedikt Aufterbeck und Thomas Stöckl an der Seifert-Orgel von St. Peter und Paul ihre innovativen Ideen einer netzwerkgestützten Orgelsteuerungstechnik entwickelt. Daraus hat sich die Firma SINUA (www.sinua.de) entwickelt, deren Castellan-System mittlerweile an verschiedenen Instrumenten (Dom zu Speyer/Seifert, Mariendom Neviges/Seifert, Martin Luther Ulm/Lenter) eine neue Ära musikalisch sinnvoller und zukunftsweisender Orgeltechnik eingeläutet hat.

Über das Projekt Klangvision 2010plus wird nun im Frühjahr 2011 entschieden. Damit würde erstmals das große System von SINUA mit Registereditor, anschlagsdynamischen Möglichkeiten der MIDI-Klaviaturen und vom Spieler individuell programmierbarer Spielmodi und Klangvarianten im zweiten, viermanualigen Spieltisch in St. Peter und Paul eine neue Dimension der Orgelwelten des 21. Jahrhunderts eröffnen...
Weitere Informationen als PDF-Datei
Seit November 2008 haben die Orgelwelten als Kooperationspartner den Orgelpark Amsterdam. Er ist das neueste internationale Konzertpodium in Amsterdam mit Domizil in der prächtig restaurierten Parkkirche in der Amsterdamer Gerard Brandtstraat. Ziel des neuen Musikpodiums ist es, die Orgel auf neue Weise zu präsentieren und ihr so einen Platz im aktuellen Musikleben zu verschaffen. Dabei möchte der Orgelpark ein breites Publikum ansprechen, junge und ältere Hörer genauso wie Musikliebhaber und Berufsmusiker.
Neben einem Konzertprogramm mit erfrischenden Begegnungen der Orgel mit anderen Künsten leitet Dr. Hans Fidom die musikwissenschaftliche Forschungsarbeit des Orgelparks. Das im November 2009 vorgestellte umfangreiche «research programm» widmet sich von 2008-2011 der Improvisationskultur.
Innerhalb dieses Projektes leitet Ansgar Wallenhorst als Mentor eine internationales Team, das die Improvisationstradition in Paris musikwissenschaftlich und phänomenologisch erforscht. In dieser «research group» arbeiten Béatrice Piertot (Paris), Columba Mc Cann (Glenstal Abbey/Irland), Hampus Lindwall (Paris/Stockholm) und Dr. Giampaolo di Rosa (Rom/Porto) an einer Darstellung der Improvisationskunst in Paris und ihrer herausragenden Vertreter wie Charles Tournemire, Marcel Dupré und Pierre Cochereau bis zu Jean Guillou und Thierry Escaich. Jakob Lekkerkerker untersucht das körperliche Moment der Improvisation in Zusammenarbeit mit einer Tanzformation und Choreographen.
Beim nächsten Symposium vom 25. bis 27. Mai 2011 werden wird das Thema "Didaktik der Improvisation" im Zentrum stehen. Gastreferenten sind u.a. Bill Porter (USA), Frédéric Blanc (Paris), Rudolf Lutz (Basel), Peter Planyavsky (Wien) und Tomasz Adam Nowak (Detmold). Aus der Arbeitsgruppe von Ansgar Wallenhorst stellt Columba Mc Cann seine Untersuchungen zur Improvisationsschule von Marcel Dupré vor. Ansgar Wallenhorst referiert zum Thema "Farbe, Architektur, Zeit - Die Improvisation und neue technische Welten des Sinua-Systems". Zudem ist er Juror beim Nationalen Niederländischen Improvisationswettbewerb am 27. Mai 2011 im Orgelpark.
Eine weitere Frucht der Kooperation: Im Orgelpark Amsterdam wird ein neuer Spieltisch mit dem in Ratingen entwickelten System von Sinua für die Sauer-Orgel gebaut.
Ein weiteres Forschungsprojekt verfolgte Jindrich Maßner. Er war ebenfalls Student im Studiengang „Dipl. Ing. Ton- und Bildtechnik" an der Robert Schumann Hochschule und der Fachhochschule Düsseldorf. Im Rahmen seiner Diplomarbeit erforschte er die Möglichkeiten, das Sampling von Instrumenten zu verfeinern. Unter Sampling (v. engl. sample: Probe, Beispiel) versteht man die Technik, jeden Ton eines Instrumentes so aufzunehmen und zu bearbeiten, dass es hinterher am Computer wieder spielbar ist. Das sogenannte virtuelle Instrument sollte im Idealfall, klanglich wie spielerisch von seinem originalen Vorbild nicht mehr zu unterscheiden sein.
Ob und wie dieses Ziel zu erreichen ist, wurde von Jindrich Maßner in seiner Diplomarbeit untersucht. Dabei ist ein virtueller Prototyp entstanden, der nicht nur alle spielerischen Facetten der Originalorgel aufweist, sondern auch klanglich eine exakte Kopie darstellt. Dafür ist aber nicht nur die klangliche Simulation des Instrumentes entscheidend, sondern auch die des Raumes. Seit einigen Jahren ermöglicht es die Faltungstechnik, auch einen Raum zu sampeln. D.h. es wird eine Impulsantwort des Raumes erstellt, die ähnlich einem Fingerabdruck, seine Reaktion auf jedwede Frequenz, mit der er angeregt wird, beinhaltet. So ist es möglich, dem Signal eines Instrumentes durch einen digitalen Prozess einen Raumklang aufzuprägen, als würde es genau in diesem gespielt werden. Aber auch wiedergabeseitig kann die Simulation des Raumes noch realistischer gestaltet werden. Bei der üblicherweise verwendete Stereotechnik, also dem Abspielen von Musik über zwei Lautsprecher, erklingt das Instrument für den Zuhörer immer nur vor ihm. Beim Hören des Originalinstrumentes in einem Raum fallen aber von allen Seiten die räumliche Rückwürfe der Wände auf den Hörer ein. Durch die Verwendung der 5.1 Surroundtechnik, also der Wiedergabe über fünf den Hörer umgebende Lautsprecher, kann diese Situation recht realistisch dargestellt werden. So war ein weiterer Bestandteil der Arbeit eine 5.1 Surroundwiedergabe des Prototypen zu ermöglichen.
Im April 2008 nahm Jindrich Maßner innerhalb von fünf Nächten jede einzelne Pfeife der Seifert Orgel in St. Peter und Paul auf. Zusätzlich dazu wurden über mehrere Mikrofone die unterschiedlichen Raumpositionen in Impulsantworten festgehalten. So sollte es dem Spieler später möglich sein, die Position des virtuellen Instrumentes frei zu verändern, beispielsweise von einer dem Spieltisch zu einer dem Zuhörer im Kirchenraum entsprechenden Position. Anschließend wurden alle Samples in einem aufwendigen Postproduktionprozess bearbeitet und für die spätere Verwendung in einem virtuellen Instrument optimiert. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der Entrauschung des klanglichen Materials. Durch das Windwerk der Orgel ist ein beständiger Rauschteppich vorhanden. Dieser gehört zwar zum natürlichen Klang des Instrumentes, führt aber beim Sampling zu dem Problem, dass das Rauschen in jedem einzelnen Ton zu hören ist. D.h. Je mehr Töne und Register gespielt werden, desto lauter wird das Rauschen. Dadurch käme es zu einem unnatürlich klingenden An- und Abschwellen des Grundrauschens. Um dies zu verhindern, muss jedem Ton das Rauschen soweit genommen werden, dass es nicht mehr zu diesem Effekt kommt. Bei sehr leisen Pfeifen aber finden sich Klanganteile der Pfeife im Rauschen wieder, die dann bei einer Entrauschung wegfallen würden. So musste in langwierigen Versuchen der Kompromiss zwischen dem Erhalt des natürlichen Pfeifenklanges und einer optimalen Entfernung des Rauschens gefunden werden. Zum Schluss wurden alle Samples in einem Software Sampler gemäß ihrer Registerzugehörigkeit angeordnet, alle Spielmöglichkeiten wie das Schwellwerk oder der Tremulant programmiert und in Verbindung mit einem Faltungshall die Simulation des Raumes bewerkstelligt.
Abschließend spielte Ansgar Wallenhorst auf beiden Instrumenten exakt die gleichen Stücke. In einem Hörversuch, an denen rund 40 Studenten des Studiengangs „Ton und Bildtechnik“ teilnahmen, konnten die beiden Instrumente so hinsichtlich ihrer klanglichen Übereinstimmung mittels des gleichen musikalischen Materials überprüft werden. Die Ergebnisse des Versuches zeigten, dass die Instrumente teilweise nur noch sehr schwer bis gar nicht mehr zu unterscheiden sind, aber dass es auch noch Dinge gibt, die am virtuellen Instrument optimiert werden können.
So ist das Ziel der Arbeit, eine virtuelle Kopie der Orgel zu schaffen, die ihr in nichts nachsteht, erreicht worden. Jedoch wurde auch gezeigt, dass der Aufwand dafür weiterhin noch recht groß und eine realistische Simulation des Raumes mindestens so bedeutend ist. Aber überzeugen sie sich anhand der Hörbeispiele selbst!
Einige Soundbeispiele können Sie hier als MP3-Dateien herunterladen:
Fauré Impro I Impro II Impro III Impro IV--> Impro V Impro VI Impro VII
Bei Fragen, Anregungen oder weiterführendem Interesse können sie sich gerne jederzeit an Jindrich Maßner unter jindrich.massner@me.com wenden.
Neben seiner Unterrichtstätigkeit im Rahmen von Gastdozenturen und Meisterkursen steht Ansgar Wallenhorst auch Studenten im Rahmen von Master-Studien im Fach Improvisation zur Verfügung.
Die Neuordnung der Studiengänge an den Hochschulen in Europa mit Bachelor und Master als Abschluß bietet zunehmend auch an deutschen Hochschulen die Möglichkeit, im Masterstudiengang externe Dozenten ergänzend zum Hauptfach-Unterricht zu wählen. Der Unterricht findet nach persönlicher Absprache in Ratingen statt und kann bei der Hochschule beantragt werden.
Die Möglichkeit zu vertiefenden Privat-Studien, die Ansgar Wallenhorst gemäß seines pädagogischen Credos einer Vernetzung von Interpretation, Improvisation und Analyse als studium generale anbietet, ist für alle Interessierte bei entsprechender Eignung offen.